Mobbing in der Schule – wenn alle wegsehen und keiner hilft

Ich habe monatelang mit mir gerungen ob ich diesen Blogbeitrag verfassen UND veröffentlichen soll oder nicht. Selbst nachdem ich die Beiträge von anderen Bloggern gelesen habe, in denen diese davon berichteten was das Mobbing bei ihnen ausgelöst und angerichtet hat, blieben die Zweifel.
Denn hier geht es nicht um mich und mein Erlebnis, sondern um das meiner 10 Jährigen Tochter. Meine Tochter ist hochsensibel und sehr nah am Wasser gebaut. Sie möchte Harmonie, hasst Streit jeder Art und kann damit sehr schwer umgehen. Sie ist ein absolut friedliebender Mensch und wir zwei stehen und wahnsinnig nahe. Geheimnisse gibt es bei uns nicht.

Wisst ihr, das ganze fing schon in der Grundschule an. Das Verhältnis zwischen meiner Tochter und ihren Freundinnen war wechselhaft. Es gab öfter Streit, jedoch nie ernsthafte Auseinandersetzungen oder Handgreiflichkeiten. Es war eher eine „Heute bist du blöd und morgen wieder meine beste Freundin“-Situation, die in dem Alter bei Mädchen durchaus vorkommen kann und in meinen Augen auch noch „normal“ zu sein schien.
Im September wechselten die Kinder gemeinsam auf die weiterführende Schule und waren über glücklich als sie alle zusammen in eine Klasse kamen. Aber die Situation in der neuen Schule änderte sich schlagartig. Die 3 Mädchen fingen an meine Tochter als Hure und Schlampe zu beleidigen, verfolgten und schikanierten sie.

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Quelle: Pixabay.com


Mein erster Schritt war es das Gespräch mit einer der Mütter zu suchen.Wir nennen das Mädchen mal Heidi. Da Heide und meine Tochter zur Grundschulzeit EIGENTLICH die besten Freundinnen waren, hatte ich zu Heidis Mutter viel Kontakt und wir verstanden uns prima. Auch im September war es mir möglich mich mit ihr in Ruhe über die Vorfälle in der Schule zu unterhalten. Wir setzten uns mit den Kindern zusammen, redeten über die Situation und hofften das sich etwas ändert. Keiner warf irgendwem etwas vor, es war ein sehr nettes und ruhiges Gespräch und die Kinder waren 10 Minuten später im Kinderzimmer am quatschen und lachen.

Leider zeigte sich bereits eine Woche später, das die Freude nur von kurzer Dauer war. Meine Tochter  kam jeden Tag weinend von der Schule und der Busfahrt nach Hause. Sie hatte jeden morgen Bauchschmerzen, wollte nicht zur Schule. Sie erzählte mir das die Beleidigungen zugenommen hätten und meine Tipps und Ratschläge, dem ganzen auszuweichen und nicht darauf einzugehen, einfach nichts bringen würde, da diese 3 sie auch in den Pausen verfolgen würden und ihr absolut keinen Freiraum lassen.

Mein nächster Schritt war es, die Lehrer davon in Kenntnis zu setzen. Ich habe beiden Klassenlehrern eine Email zukommen lassen und über die Situation und Vorfälle informiert. Daraufhin habe ich ein langes Telefonat mit einem der beiden Lehrer geführt. Man versprach mir mit den beteiligten Kindern zu sprechen und auch mit meiner Tochter zu reden und den Lehrern Bescheid zu geben, das Sie bitte darauf achten sollen ob die Kinder irgendetwas sagen/machen. Sie telefonierte auch mit Heidis Mutter. Heidis Mutter und ich standen immer noch in Kontakt. ALLERDINGS hatte sich die Situation jetzt soweit entwickelt, das Heidis Mutter sagte, ihre Tochter würde von meiner Tochter gemobbt werden – nicht anders herum. Wir sollten in den Herbstferien ein Gespräch führen und noch einmal versuchen die Kinder zu versöhnen. In den Ferien war zwischen den Kindern dann von einem Tag auf den anderen alles in Ordnung. Sie haben 2 Tage zusammen gespielt, es gab keinen Streit und ich dachte dieses Mal wirklich das es vorbei wäre. Meine Tochter fuhr dann für 1 Woche in den Urlaub und wir haben den Termin abgesagt.

Leider war auch hier die Freude nur von kurzer Dauer. Es wurde schlimmer und schlimmer. Beide Lehrer sprachen in der Schule mit den beteiligten Mädchen, mit der ganzen Klasse, mit den Mädchen und Jungs getrennt, einzeln mit den Betroffenen – aber es wurde nicht besser. Ich war weiterhin in Kontakt mit beiden Klassenlehrern und mir wurde versprochen, das etwas unternommen wird. Meine Tochter meldete jeden Vorfall bei den Lehrern, wurde so zwar als Petze hingestellt, jedoch habe ich sie immer ermutigt diesen Schritt zu gehen und ihr Zuspruch gegeben das sie Hilfe von den Lehrern erhält. Im November klauten die Mädchen in der Umkleidekabine der Sporthalle ihre Sportschuhe, zerrissen ihre Jacke und besprühten eine weitere mit Farbe. Mittlerweile war das Verhältnis zwischen Heidis Mutter und mir gereizt. Sie sprach nur davon wie schlecht es ihrer Tochter ging und das sie das Opfer wäre. Beweise ignorierte Sie.

Das Mobbing ging natürlich auch durch Soziale Netzwerke und vor allem WhatsApp. Was dies betrifft, war meine Tochter – und darauf bin ich sehr stolz – jedoch sehr konsequent und blockierte die Mädchen und klinkte sich bei allen Gruppen aus. Ihr Handy war kaum noch an und das Thema Cyber-Mobbing liesen wir hinter uns.

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Quelle: Pixabay.com


Ende November eskalierte die Situation dann total. Mehrere Personen sperrten meine Tochter mit Heidi in einen Raum damit diese sie beleidigen und eine Ohrfeige verpassen konnte. Danach hielten sie meine Tochter gewaltsam davon ab zum Lehrer zu gehen und zu sagen was passierte. Eine weitere Schülerin der Klasse, die mittlerweile Freundschaft mit meiner Tochter geschlossen hatte, wurde auch festgehalten und eingesperrt. Sie war das neuste und somit 2. Opfer dieser „3er Mobbing-Gruppe“. Ich habe mit dem Klassenlehrer gesprochen und dieser versprach mir das jetzt endlich etwas unternommen wird. Wir bekamen 2 Wochen später einen Brief nach Hause. Alle Elternteile der beteiligten Mädchen sollten an einem Gespräch in der Schule teilnehmen. Daraufhin rief mich Heidis Mutter an und fragte warum dieses Gespräch stattfindet. Ich war schockiert. Wie kann es sein, das KEINER der Lehrer in den GANZEN MONATEN auch nur einen der Eltern kontaktiert und mit Ihnen über die Vorfälle in der Schule gesprochen hat? Wieso wurde NICHTS unternommen, als meine Tochter geohrfeigt wurde und die Lehrer Bescheid wussten?!

Die Kinder, die meine Tochter mobben, lachen nur noch. Sie tun was sie wollen, denn Konsequenzen gibt es nicht. Sie wissen, das sie meine Tochter anspucken, schlagen, schubsen und beleidigen können, ohne je dafür zur Verantwortung gezogen zu werden.

Es kam natürlich zum Streit im Gespräch mit Heidis Mutter und seit diesem Moment sprechen wir nicht mehr miteinander.

Dieser- ich nenne ihn jetzt mal „spezieller Elternabend“- fand jedoch nie statt. An dem Tag an dem er stattfinden sollte, litt ich unter dem Norovirus und musste zur Behandlung ins Krankenhaus (zu dem Zeitpunkt war ich bereits schwanger). Der Elternabend wurde abgesagt und mir wurde am Telefon unmissverständlich von Klassenlehrer Nummer 2 klar gemacht, das die Klassenlehrer und die Schule keinen zweiten Termin mehr ansetzen würden und sich ab sofort nicht mehr um „das Problem“ kümmern werden.
WIR (Die Eltern) sollen es PRIVAT KLÄREN.
Es tut mir leid, wenn ich ausfallend werde, aber ich finde es einfach SCHRECKLICH das mein Kind jeden Tag weint, weil ihr die Situation in der Schule zuviel wird und die Schule nur weg sieht und sagt: Geht uns nichts an-klärt es privat. Die ganzen Konflikte, die ganzen verbalen Auseinandersetzungen finden jedoch IN DER SCHULE statt. Nicht zuhause, auf der Straße oder im Internet. Im Schulgebäude, im Klassenraum und sogar IM UNTERRICHT.
Wie können die Lehrer wegsehen, wenn mein Kind beleidigt wird und sie – wie vor kurzem – weinend wegschicken mit den Worten: Das muss deine Mutter privat klären.
Ich bin wirklich fassungslos und kurz davor mein Kind von der Schule zu nehmen. So kann es nicht weiter gehen.
Ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt an dem ich nicht mehr weiß, wie ich meine Tochter noch unterstützen, aufbauen und beschützen kann. Sie ist so ein herzensguter und liebenswerter Mensch, will immer allen Menschen helfen (und hat aus diesem Grund auch die Streitschlichterausbildung in der Grundschule besucht, genauso wie jetzt die 1. Hilfe AG auf der weiterführenden Schule).
Ich bestreite gar nicht, das sie auch ausfällig geworden ist und die Mädchen beleidigt hat. Sie hat die Beleidigungen sehr wahrscheinlich erwidert.
Mittlerweile habe ich ihr auch gesagt das sie zurückschlagen soll, wenn sie noch einmal körperliche Gewalt zu spüren kommt. Ich weiß das es nicht der beste elterliche Rat ist, aber da sie in der Schule sonst keine Hilfe zu erwarten hat, ist das ihre einzige Möglichkeit sich zu wehren. Ein Nein, bitte hört auf, hilft bei diesen Mädchen nicht.
Nachdem ich die Schulelternrats-Vertreterin und die Sozialpädagogin der Schule, die für das Thema Mobbing zuständig ist, kontaktiert habe, kam heute eine Email von Klassenlehrer A.
Ein weiterer Termin für ein Gespräch wurde festgelegt. Dieses Mal nur mit Heidis Mutter, den Klassenlehrern, der Schulelternratsvertreterin, der Sozialpädagogin und mir.
Mir, der schwangeren, hormongeladenen und wahnsinnig wütender Mutter, die jeden Tag mit ansehen muss wie ihr Kind leiden muss.
Und wisst ihr was? Ich kann euch jetzt schon sagen wie das Gespräch, an dem ich natürlich teilnehmen werden, ablaufen wird. Heidis Mutter behauptet wieder meine Tochter sei Schuld und im Endeffekt steht Wort gegen Wort. Aber hey, die Schule ist raus – immerhin fand das Gespräch ja nun statt und sie haben alles unternommen was in ihrer Macht steht.Ich habe natürlich schon über einen Schulwechsel nachgedacht. Ich habe auch bereits mit 2 Schulen telefoniert. Beide Schulen wollen jedoch die Vergabe des Halbjahreszeugnisses abwarten und erst dann können wir den Wechsel in Gang setzen.Ja, ich musste mir das ganze von der Seele schreiben. Ich fühle mich als Mutter so verdammt hilflos und bin entsetzt darüber das die Schule, die ich bereits vor zig Jahren GERNE besucht habe, sich jetzt so heraushält.
Ich habe für meine Tochter auch einen Therapie-Platz gesucht und hoffe das ihr das Ganze helfen wird. Im Februar haben wir den ersten Termin.

Ich möchte mein großes Mädchen wieder lachen sehen….

 

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