Schlafmangel from HELL – wenn das Baby durchschläft, die 5 jährige aber nicht

19:20 Uhr
Wir gehen ins Badezimmer. Die Zähne werden geputzt, das Gesicht gewaschen, die Haare gekämmert und der kuschelige Schlafanzug angezogen.

19:30 Uhr
Livi darf sich ein Buch aussuchen und dann lesen wir noch eine Geschichte.

19:40 Uhr
Sie geht nochmal nach unten und sagt allen gute Nacht und verteilt (wenn sie es möchte) Gute Nacht Küsse.

19:45 Uhr
Wir singen noch ein Gute-Nacht-Lied das sie sich wünschen darf

19:47 Uhr
Nachtlicht an, Flurlicht an und Tür anlehnen.

Bis hier hin klappt es ganz gut. Es gibt keine Tränen oder auch nur das geringste Anzeichen, das sie nicht schlafen möchte/kann.  Sie ist müde. Sehr müde sogar. Aber noch während ich die Treppe heruntergehe, zähle ich nur die Sekunden bis sie gleich wieder im Wohnzimmer steht.

19:50 Uhr
Pipi – wieder nach oben.

19:53 Uhr
Ups nochmal Pipi – wieder nach oben.

19:55 Uhr
Ich wollte dir nur noch kurz sagen das im Kindergarten XYZ passiert ist – wieder nach oben.

19:58 Uhr
vieleicht doch nochmal Pipi? – wieder nach oben

20:02 Uhr
Sie kommt runter, setzt sich im Wohnzimmer hin und hofft das wir einfach nichts sagen, so dass sie bleiben darf.

20:05 Uhr
Ich kann Kuscheltier ABCDE nicht finden – gefunden und wieder ins bett

Wir begleiten das Trepp-auf und das Trepp-ab mit vollkommener Ruhe.
Wir haben das gleiche „Spiel“ jedoch schon gestern gespielt und der Wecker klingelte trotzdem um 7:00 Uhr in der früh, deswegen ist Livi an diesem Punkt nicht nur müde, sondern HUNDEMÜDE. Ihre Stimmung kippt – gerade noch das fröhliche kleine 5 Jährige Mädchen das versucht sich ins Wohnzimmer zu schleichen und schon schreit und weint sie aus voller Kraft heraus in Ihrem Bett los.

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Ihr neues Bett – selbstgebaut, nach ihren Wünschen

Wir lassen sie nicht weinen, sondern gehen sofort zu ihr, nehmen sie in den Arm und fragen was los ist. Hier kommt dann wahlweise:
-> ich kann nicht schlafen
-> ich vermisse mein Kaninchen
-> ich finde Kuscheltier XY nicht
-> ich will nicht in mein Bett
-> ich habe Angst vor XY
und und und.
Ja, auch hier reagieren wir natürlich ruhig, versuchen eine Lösung zu finden und nehmen ihre Ängste und Gefühle sehr ernst. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Wenn es klappt, dann gehen wir wieder nach unten. Kaum sitzen wir auf der Couch, weint und schreit sie wieder. Wenn es nicht klappt, sitzen wir auch mal gute 20 Minuten in ihrem Zimmer.

Der einfachste Weg wäre jetzt, sie wieder mit nach unten zu lassen, sie wach bleiben zu lassen. Den Weg des selbst bestimmten einschlafens haben wir im Dezember ausprobiert – es klappt einfach nicht. Lässt man ihr die Wahl, dann bleibt sie bis 2-3 Uhr nachts wach und möchte trotzdem nicht ins Bett. Dann geht es eben um 3 Uhr wieder los mit schreien-beruhigen-weinen-beruhigen. Das geht nicht. Wir sind beide berufstätig. Selbstbestimmtes einschlafen mag ein toller Weg sein und für viele funktionieren. Hier aber nicht.

20:00 – 21:00 Uhr
Kommen wir zurück zum Trepp-auf Trepp-ab Szenario. Wir trösten und beruhigen. Meist abwechselnd. Denn da ist noch das Baby und Mirko muss noch etwas Essen.
Um 21 Uhr sind wir beide so erledigt, das wir uns bettfertig machen und nach oben gehen. Falls sie tatsächlich wieder bei uns im Wohnzimmer sitzen durfte, versuchen wir sie jetzt nochmal ins Bett zu bringen.

Manchmal klappt es, manchmal nicht. So kann es sein das ich im Bett versuche das Baby einschlafzukuscheln (sie schläft nur auf meinem Arm ein bzw an mich ran gedrückt) und Mirko bis zu 20 mal zu Livi geht. In dieser Phase ihrer Müdigkeit steht sie nicht mehr alleine auf. Sie weint und schreit, bleibt aber (fast immer) im Bett.

21:00 – 22:00 UHr
Mirko schläft dann gegen 21:30 /22 Uhr ein. Ich versuche noch immer das Baby zum schlafen zu bringen und wandere immer wieder zu Livi, was wieder das Baby zum weinen bringt. Nebenbei wird der Teenager auch vom Geschrei geweckt, ich selbst bin hundemüde und kann mich kaum noch auf den Beinen halten.
Spätestens wenn dann alle drei Kinder weinen, weil sie eigentlich alle müde sind, aber nicht schlafen, klappt bei mir der Schalter um. Whumm.

22:30 – 23:30 Uhr
Es ist vorbei mit der gelassenen, ruhigen Mutter. Ich werde zur Rabenmutter, werde laut und sage Livi sie soll jetzt endlich schlafen. Ich sage zum Teenager, das sie sonst auch wie ein Stein schläft und ich nunmal nichts daran ändern kann, das Livi jetzt weint und schreit. Ich gehe ins Schlafzimmer und weine zusammen mit dem Baby, flehe sie an das sie ENDLICH einschläft. Ich bin doch so so so müde.

23:00 – 00:00 Uhr
Irgendwann schläft das Baby, ich lege sie ins Beistellbett. Dann gehe ich wieder zu Livi, versuche sie wieder zu beruhigen und plane mit ihr den nächsten Tag. Das ganze wiederholt sich noch ein paar mal. Dann schläft sie.
Es ist zwischen 23-24 Uhr. Ich liege im Bett und mache die Augen zu…

1:00 Uhr
Das ganze geht wieder von vorne los. Livi schreit, ich steh möglichst leise auf.
Sie schläft wieder. Ich ergreife die Chance und versuche auch weiterzuschlafen. An dieser Stelle sollte ich erwähnen das ICH nicht so schnell wieder einschlafen KANN.

1:25 Uhr
Und wieder.

1:45 Uhr
Again..

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Quelle: pixabay

2:10 Uhr
Ich stehe heulend vor ihrem Bett und flehe sie an, das sie schläft. Ich kann kaum stehen, sitze meist auf dem Boden, mit dem Rücken an ihren Schrank gelehnt und singe leise LaLeLu.

2:30 Uhr
Sie steht bei uns im Schlafzimmer. Das Baby wird wach. Mirko wird wach. Zurück ins Bett. Ich bin noch nicht wieder eingeschlafen.

4:00 Uhr
MAAAAAAAAMMMMAAA

4:45 Uhr
Albtraum

5:02 Uhr
PAAAAAAAPPPPAAAA

5:30 Uhr
Ich schlafe ein.

6:45 Uhr
Das Baby hat Durst, der Mann muss zur Arbeit und wir aufstehen.

Nicht nur ich habe wenig, bis gar nicht geschlafen, auch Livi. Sie ist total fertig wenn ich sie um 7:30 Uhr wecke. Der Weg ins Badezimmer ist eine Qual.
Um kurz nach 8 Uhr sind wir im Kindergarten. Wir haben keine Wahl. Ich muss arbeiten. Wir können beide nicht ausschlafen. ICH sowieso nicht, denn das Baby ist wach. Hellwach. Und findet liegen blöd.
Nachmittags ist Livi fertig. Sie will nicht mehr zu Freunden, will auch kaum das sie wer besucht, weil sie einfach keine Kraft zum Spielen hat.
Ab 16 Uhr bin ich auch an meinem Tiefpunkt angelangt. Aber dann kommt der Teenager nach Hause, braucht essen. Ich muss das Haus putzen, arbeiten, Wäsche waschen, einkaufen.
Und dann geht das Spiel von vorne los.

Ich kann nicht mehr. Ich fühle mich schrecklich und daran hat nicht nur der Schlafmangel Schuld. Ich fühle mich beschissen, weil ich das Bedürfniss meiner Tochter, bei uns zu sein und auch bei uns zu schlafen, nicht erfüllen kann. Ich fühle mich todtraurig, weil das Familienbett zu 4. hier keine Option mehr ist.
Denn auch im Familienbett wird sie wach. Mehrfach. Und weckt hierbei nicht nur mich, sondern auch Mirko und das Baby auf.  Und ann sitze ich da mit einem Baby, das weint und nicht mehr einschlafen kann. Da hilft meist nur der Gang nach unten, zum Sofa.

Wer an dieser Stelle sagt: das liegt am dritten Kind! Das kommt, weil sie jetzt nicht mehr die Kleinste im Haus ist, den möchte ich bitte auf diese Blogbeiträge aufmerksam machen:

Kind, SCHLAF DOCH ENDLICH (23.Juni 2015)
Schlaflose Nächte (19. Februar 2016)
Scheiß auf Schlafen! (7. November 2016)

Wir durchleben diese „Schlafhölle“ schon seitdem sie 6 Monate alt ist. Es gab kaum Tage – bzw Nächte – in denen SIE und somit auch wir, richtig schlafen konnten.

Im Blogbeitrag vom 7.11.2018 (Scheiß auf Schlafen) schreibe ich:

Wir nehmen die Situation wie sie ist, gehen ruhiger damit um und haben uns einfach mit der Tatsache abgefunden das sie nunmal nicht so viel Schlaf braucht, wie andere Kinder in ihrem Alter. Das ist Okay. Wirklich.
Es ist egal wie lange wir schlafen und ob wir mit der Anzahl an Ruhestunden den Tag überleben, solange SIE es kann. Ihr Wohlbefinden, ihre Zufriedenheit und ihre Gesundheit ist alles was zählt und sie IST GLÜCKLICH und GESUND.

Natürlich leide ich noch immer unter akutem Schlafmangel. Aber ein Dauerabo Concealer auf Amazon und die wöchentliche Kaffeelieferung von Tchibo machen das Leben leichter.

Damals habe ich nur ein paar Stunden in der Woche gearbeitet, hatte noch kein Baby.

Jetzt weiß ich nicht mehr weiter. Ich möchte das sie wieder schlafen kann, glücklich ist und tagsüber wieder die Kraft hat sich mit ihren Freunden zu treffen. Aber ich weiß wirklich nicht wie.

Ich weiß nur das ich bald zusammenbreche, wenn ich nicht endlich wieder schlafen kann…

8 Gedanken zu „Schlafmangel from HELL – wenn das Baby durchschläft, die 5 jährige aber nicht

  1. Ich drück Dich erstmal! Andauernder Schlafentzug ist das Schlimmste! Was sagt die 5jährige denn, wenn Du in einem ruhigen Moment mit ihr darüber sprichst?

  2. Oh man, das klingt wirklich nach Hölle. Ihr Armen! Ich habe mir schon in verschiedenen Situationen Hilfe von außen geholt. Es gibt so viele Möglichkeiten für Mütter, von denen wir oft nichts wissen. Ehrenamtliche, die dir ein paar Stunden alleine verschaffen, Beratungsstellen, die dir die richtigen Leute an die Hand geben. Es lohnt sich wirklich da zu recherchieren. Auch ich war schon am Limit angekommen.
    Ich drücke alle Daumen und dich auch!

    1. Wir waren mit ihr schon bei der SPZ, Awo und und und. Leider waren alle Stellen keine Hilfe. „Wenn sie in die Schule kommt wird es besser“ – das war der Satz den wir immer und immer wieder gesagt bekommen haben. Bis zur Schule sind es noch knapp 1,5 Jahre. Ich muss ja nebenbei noch arbeiten. Auch die Arbeit kommt zu kurz. Jetzt weigert sie sich jeden morgen, in den Kindergarten zu gehen. Ich MUSS aber zur Arbeit, das heißt sie MUSS in den Kindergarten. Das ist so kräftezerrend…

  3. Hi, kann sie einschlafen wenn ihr euch zu ihr legt, also bis sie schläft? Oder ein geteiltes Familienbett, also du schläfst beim Baby und der Papa bei ihr? Das sind jetzt die Dinge die mir spontan eingefallen. Ich hoffe ihr findet irgendwann einen Weg damit ihr zu mehr Schlaf kommt.

  4. Bekommt Deine Tochter noch immer Cortison? Probleme mit dem Schlafen können, wenn ich mich richtig erinnere, eine Nebenwirkung davon sein.

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